Durch meine Artikelserie „Smarthome in einer Mietwohnung“ konnte ich bereits einige smarte Lösungen hier im Blog vorstellen: Von der Lichtsteuerung im Haus, über Staubsaugerrobotern bis hin zur Überwachung des Raumklimas ist vieles möglich. Eine Komponente hat in der Reihe jedoch noch gefehlt: Ein automatisches Türschloss, welches die Haustür wie von Zauberhand öffnet. Aber ist sowas in einer Mietwohnung überhaupt so einfach möglich? Und ist das nicht gefährlich? Ich machte mit dem NUKI Combo 2.0 Türschloss den Test.

Lieferumfang

Beim Nuki Combo 2.0 handelt es sich um einen Multipack bestehend aus dem Nuki Türschloss und der Nuki Bridge. Letztere ist notwendig, wenn das Türschloss nicht nur per Bluetooth, sondern auch außerhalb der eigenen vier Wände angesteuert werden soll.

Beim Betrachten der Verpackung fällt direkt auf, dass der Hersteller auf ein optisch ansprechendes Design wert legt. Schlicht gehalten beinhaltet diese dennoch die wichtigsten Infos zum Produkt. Dieser Eindruck setzt sich beim Auspacken fort. Man könnte meinen ein Produkt aus dem Hause Apple in den Händen zu halten.

Der Lieferumfang des Türschlosses beschränkt sich auf das Wesentliche: Neben dem Schloss werden zwei verschiedene Montageplatten, ein Imbusschlüssel, ein Magnetkontakt und eine Kurzanleitung geliefert. Die vier benötigten AA Batterien werden mitgeliefert und sind bereits im Nuki Türschloss eingelegt.

Wie im Smart Home Bereich üblich, gibt die Kurzanleitung nur wenig Aufschluss über die eigentliche Installation. Ihr findet darin lediglich den Hinweis, dass zum Abrufen der Installationsanleitung die Nuki App heruntergeladen und installiert werden soll. Ich finde das toll, da so zusätzliches Papier entfällt. Die App wird sowieso zur Nutzung benötigt.

Voraussetzungen

Für die Installation eines smarten Türschlosses sind ein paar Dinge vorauszusetzen. Zu aller erst empfehle ich den Installationscheck von Nuki zu durchlaufen, um zu prüfen, ob das bestehende Türschloss mit Nuki kompatibel ist: https://nuki.io/de/ist-mein-tuerschloss-mit-nuki-kompatibel/

Des Weiteren sollte das Türschloss unbedingt über eine Not- und Gefahrenfunktion verfügen. Diese ermöglicht es euch – bei von innen steckendem Schlüssel – trotzdem mit einem anderen Schlüssel von außen die Tür zu öffnen. Ob euer Schloss dies unterstützt, könnt ihr ganz leicht prüfen: Tür öffnen, Schlüssel von innen einstecken, weiteren Schlüssel von außen einstecken. Nun versucht ihr durch Drehen des Schlüssels außen die Türfalle zu bewegen. Ist dies nicht möglich, oder könnt ihr den zweiten Schlüssel überhaupt nicht einführen, besitzt euer Schließzylinder keine Not- und Gefahrenfunktion. Mit einem solchen empfehle ich Nuki nicht zu nutzen. Denn sollte das elektronische Türschloss aus irgendeinem Grund nicht mehr funktionieren, könnt ihr – selbst mit vorhandenem Schlüssel – die Tür nicht mehr von außen öffnen.

Bei mir war dies der Fall. Das ist aber überhaupt kein Problem: Für wenig Geld erhält man z.B. bei Amazon einen passenden Schließzylinder. Da dieser mit nur einer Schraube befestigt ist, kann man diesen einfach selbst tauschen. Auf Youtube findet ihr einige Anleitungen. Eine Genehmigung seitens des Vermieters benötigt ihr im Übrigen nicht. Für die Bestellung des richtigen Zylinders empfehle ich den alten zuvor auszubauen und mit einem Lineal die Länge zu messen.

Installation

Vor der Installation hatte ich zunächst großen Respekt, war dann aber erleichtert, als ich bereits nach 10 Minuten fertig war. Der Hersteller bietet zwei verschiedene Möglichkeiten:

Bei geringem Überstand des Schließzylinders (<3mm) muss die Montageplatte geklebt werden, ansonsten kann diese mit drei Madenschrauben geklemmt werden.

Glücklicherweise ist der Überstand des Zylinders bei mir größer als 3mm, d.h. ich konnte mich für die Klemmvariante entscheiden. Bei der Klebemontage hatte ich die Befürchtung, dass die Montageplatte an der gekrümmten Blende nicht hält (Anmerkung: Andere Tester haben die geklebte Platte im Einsatz und von keinen Problemen berichtet).

Sobald die Montageplatte fest am Schließzylinder befestigt wurde, wird der Schlüssel eingesteckt und das Nuki Türschloss aufgeschoben. Ein deutlich hörbares Klicken verrät, dass alles korrekt sitzt und mit der Einrichtung in der App fortgefahren werden kann.

Sesam, öffne dich!

Das schlichte Design des Türschlosses setzt sich auch in der App fort. Beim Starten dieser symbolisiert ein offener bzw. geschlossener Kreis den momentanen Öffnungszustand des Schlosses.

Mit einem Tap öffnet sich ein Menü, über welches das Schloss auf- und zugesperrt werden kann. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit die Türfalle zu ziehen, das heißt das Schloss wird nicht nur aufgesperrt, sondern die Tür direkt geöffnet. Hier ist besondere Vorsicht geboten: Bei Verwendung der Bridge kann diese Funktion auch unterwegs ausgeführt werden. Sobald die Tür jedoch aufgesprungen ist, kann diese durch das Türschloss allein nicht mehr gesperrt werden. Solltet ihr euch nicht in Reichweite des Türschlosses befinden, fragt Nuki bei Verwendung dieser Funktion aber noch mal nach, ob ihr auch wirklich sicher seid.

Des Weiteren gibt es in der App auch die Möglichkeit Gesten zu konfigurieren, also beispielsweise bei einem Swipe von links nach rechts die Tür zu entriegeln. Ich verzichte bewusst auf diese Gestensteuerung, um nicht unbewusst eine Aktion durchzuführen. Mir gefällt auch, dass zum Entriegeln der Tür zwei Klicks notwendig sind (1 Tap: Menü öffnen, 2 Tap: Funktion anwählen). Natürlich ist das alles kein Garant für mehr Sicherheit, aber immerhin gibt es mir ein gutes Gefühl.

Die App kann natürlich noch mehr: Solltet ihr den Standort eures Nuki hinterlegen, könnt ihr euch benachrichtigen lassen, wenn ihr in der Nähe seid. So ist es euch möglich direkt über die Push Benachrichtigung die Tür zu öffnen. Auch im umgekehrten Fall, wenn ihr euer Haus verlasst ohne abzusperren, kann euch Nuki benachrichtigen und abschließen. Diese Funktion ist wirklich Gold wert, da sie auch über die Apple Watch genutzt werden kann. Ein umständliches Öffnen der Nuki App am Smartphone entfällt. Negativ ist mir hier aufgefallen, dass die Push Benachrichtigungen nur sehr unzuverlässig kommen. Ich würde behaupten, dass bei jedem zweiten mal die Benachrichtigung fehlt. Sicherlich wird hier aber über ein App-Update nachgebessert werden. //EDIT: Nuki hat hier nachgebessert und mit dem letzten App-Update kommen die Benachrichtigungen (wieder) zuverlässig an.

Fazit

Lange Zeit habe ich mich an das Thema Smart Lock nicht herangetraut. Die Hürde des Schließzylindertausches schätzte ich fälschlicherweise als viel zu hoch ein (ca. 30 Minuten habe ich für die komplette Installation inklusive Tausch des Schließzylinders benötigt). Im Alltag hat sich das Schloss nach ca. zwei Wochen bewährt. Ich vergleiche es mit der Einführung von Apple Pay: Zuvor hatte man jederzeit seinen Geldbeutel am Mann, in letzter Zeit erwische ich mich immer öfter dabei, dass dieser zuhause bleibt und bequem mit Smart Watch oder Smartphone bezahlt wird. Genau so bleibt nun immer öfter der Schlüssel zuhause liegen und die Tür wird bequem per Uhr geöffnet. Achtung: Denkt bitte daran einen Ersatzschlüssel beim Nachbarn, bei Verwandten oder bei Freunden zu deponieren. Sicher ist sicher.

Negativ aufgefallen ist mir einzig allein das laute Schließgeräusch. Klar, der Motor im Nuki hat ordentlich Power und kann dadurch auch schwer schließende Türen öffnen. Im normalen Alltag stört das Geräusch nicht, gerade aber, wenn man nachts nach Hause kommt, verwende ich doch ab und an noch den Schlüssel. Vielleicht gäbe es hier die Möglichkeit softwareseitig nachzubessern und bei der sowieso stattfindenden Kalibrierung auch die Kraft des Motors an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Auf jeden Fall eine Sache, die auch per Update nachgeliefert werden kann.

Jetzt seid ihr dran: Ist eure Haustür schon smart? Wenn ja, welches Schloss habt ihr im Einsatz? Wenn nein, was hindert euch an der Anschaffung eines Smart Locks?

3 Kommentare

    1. Hallo Jakob, ich kann mir gut vorstellen, dass sich Nuki hierzu etwas einfallen lässt. Beim täglichen Betrieb stört mich das Schließgeräusch aber eher wenig. Nur beim nächtlichen nach Hause kommen finde ich es störend.

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